Die Musik der burgenländischen Kroat/innen artikuliert sich heutzutage fast ausschließlich durch die Tamburicamusik. In der Öffentlichkeit gilt die Tamburica als das typische Volksmusikinstrument der burgenländischen Kroat/innen im Burgenland.

Die Geschichte der Tamburica im Burgenland begann im Jahr 1923. Die Intention, eine Tamburicagruppe im Burgenland zu gründen, war von den Studenten und Mitgliedern des Kroatischen Kulturvereines in Wien, Mate Ferzin, Lorenz Karall und Rudolf Klaudusz ausgegangen, welche gute Kontakte zu dem südkroatischen Verein Prosvjeta in Wien (Herbst 1922) hatten. Nachdem die Studenten die Instrumente von Wien ins Burgenland brachten und vorstellten, wurde die erste Tamburicagruppe in Baumgarten durch den damaligen Schuldirektor Slavko Marhold gegründet. Die musikalische Ausbildung übernahm der aus Dalmatien stammende Musikstudent Klement „Klemo“ Visković. In den folgenden Jahren trat die Tamburica bei den verschiedensten Veranstaltungen - Fahnenweihen, musikalische Umrahmung von Theaterstücken u.a.m. - auf. 

Als nächstes folgte die Gründung eines Tamburicaensembles durch Schüler des Schulvereines „Kolo“ und Studenten in Wien. Ermöglicht wurde dies durch ein Geschenk aus Zagreb anlässlich der 400 Jahr Feier der burgenländischen Kroat/innen, welches aus 35 Instrumenten und 2.000 Büchern bestand. Im Sommer des Jahres 1932 startete die Gruppe eine erste Konzertreise, die sie in mehrere Dörfer des Burgenlandes - Schachendorf, Dürnbach, Schandorf, Weiden bei Rechnitz und Spitzzicken - führte. Zurückzuführen auf diese Tournee ist die Gründung der Tamburicagruppen in Neuberg durch den Priesterdichter I. Horvath, in Trausdorf durch den Schuldirektor A. Kuzmich im Jahr 1934, in Oslip durch den Lehrer Ivan Gmas 1935 und in Unterpullendorf durch den Schuldirektor A. Csenar im Jahr 1936. Im Jahr 1938 fand die Tätigkeit der verschiedenen Tamburicagruppen und teilweise der Chöre ein jähes Ende, da alle aufgelöst und die Instrumente beschlagnahmt oder zerstört wurden.

 

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde die Tamburica in Unterpullendorf von A. Csenar wieder reaktiviert. Die Gründung der Tamburicagruppe Unterpullendorf erfolgte in den Jahren 1945/46. In Wien formierte sich im Jahr 1946 um Feri Sučić ein Tamburicaensemble. Im Repertoire dieser Gruppe fand man neben den typischen traditionellen Volksliedern auch volkstümliche Lieder mit modernem Rhythmus. 1948 wurden die Tamburicavereine in Frankenau und Kleinwarasdorf, im Jahr 1958 in Nikitsch gegründet.

 

Die erste Volkstanzgruppe wurde ebenfalls in Unterpullendorf, und zwar durch Ana Sučić im Jahr 1951 gegründet; aus dieser ging später die Folkloregruppe „Krug Miloradić“ hervor. Die ersten Auftritte außerhalb des Burgenlandes hatte diese Folkloretanzgruppe in Salzburg und in Linz. Im nördlichen Burgenland wurde die erste gemischte Tamburicagruppe (zum ersten Mal spielten auch Frauen in einem Tamburicaorchester) von Feri Sučić in Klingenbach im Jahr 1957 ins Leben gerufen. Es folgten Gründungen in den kroatischen Ortschaften Trausdorf durch Adalbert Kuzmich im Jahr 1959 und Steinbrunn durch Jakob Dobrovich im Jahr 1960. In dieser „Pionierzeit“ war die Tamburica ein noch relativ unbekanntes Instrument.

 

Der Popularitätsgewinn der Tamburica in dieser Zeit ist darauf zurückzuführen, dass ab dem Jahr 1959 begonnen wurde, an Volksschulen des Burgenlandes (Unterpullendorf, Kroatisch Geresdorf, Nebersdorf, Nikitsch, Großwarasdorf, Steinbrunn, u.v.m.) Tamburica zu lehren und Gruppen zu formieren. Durch die Reorganisation des Schulwesens im Jahr 1962 wurde dies jedoch wieder gestoppt. Im Bereich der Aus- und Fortbildung der Dirigenten und Musiker müssen vor allem zwei Namen genannt werden. Zu Beginn der 60er Jahre begann Prof. Slavko Janković Tamburicaseminare in Crikvenica/Kroatien abzuhalten. Ziel war es, den Leitern und Lehrern Kenntnis des Instrumentes, genügend Spielpraxis und das Know How der Orchestrierung zu vermitteln. Weiters muss Prof. Dragan Raljušić erwähnt werden, der einerseits sein Wissen durch intensive Probenarbeit mit den verschiedenen Ensembles (Güttenbach, Neuberg, Parndorf) weitergab, andererseits durch unzählige Kompositionen und Arrangements zur Vielfalt der Repertoires der einzelnen Gruppen maßgeblich beitrug.

 

Im selben Atemzug müssen aber auch Feri Sučić, Jakob Drobrovich und Hansi Probst erwähnt werden. Am bekanntesten sind die Liederhefte „Zbirke“ / „Sammlungen“ von Feri Sučić, der seit 1948 sechs Bände mit unzähligen Transkriptionen, Überarbeitungen und natürlich auch Eigenkompositionen herausgegeben hat. 1968 hat Jakob Dobrovich sein Liederheft „Prva naša zbirka“ mit 43 für Tamburica überarbeiteten Liedern publiziert. Im Jahr 1980 wurde durch Hansi Probst ein weiteres Liederbuch herausgebracht. Die zahlreich publizierten Liederhefte hatten maßgeblichen Anteil an der Verbreitung der Musik der burgenländischen Kroat/innen bei den Kroat/innen selbst, aber auch bei der deutschsprachigen Bevölkerung.

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